Liebestöter auf 4 Pfoten – Fortsetzung zu „der Reißteufel“

Christine und Grisu

Christine und Grisu

(…) Danach aber gab es Anblicke, die uns das Blut in den Adern stocken ließen. Und natürlich stand die unausgesprochene Frage im Raum: Lohnt es sich überhaupt bei den Schäden?

Er hatte sich an die Inspektion verschiedener Kleidungsstücke gemacht und sich dafür die Leckerbissen ausgesucht. Dinge, die wehtaten. Gegenstände, auf die wir gespart hatten. Mit unglaublicher Treffsicherheit hatte sich der kleine, unbestreitbare süße Reißwolf folgende Kleidungsstücke ausgesucht:

1. Einen teuren blonden Biberpelz, den ich mir zu meinem vierzigsten Geburtstag geschenkt hatte. Weil ich sogar im Winter mit dem Rad fahre. Er war teurer als Nerz, aber nicht von einer bedrohten Tierart. Ich wollte ihn meinen Enkeln vererben. Grisu biss ein Loch an eine Stelle, die es unmöglich machte, ihn noch zu irgendetwas außer einer Stola umzugestalten. Dieser Pelz war Schlafsack auf Abenteuerreisen. Mein Lebensretter, kein Partybegleiter. Es tat weh!

2. Den schönen handgestrickten Pullover meines Mannes. Ein Liebesgeschenk aus schottischer Wolle. Ein Pullover für die Ewigkeit, zum Vererben geplant. Er roch nach Schafwolle; vor dem inneren Auge zogen schottische Hochmoore vorbei. Loch Ness, Nessie, Whiskey und viele schottische Schlösser.

3. Meine einzigen Manolo-Blahnik-Sandalen. Was soll ich sagen, ich bin sparsam und trage sonst Gesundheitsschuhe. Sie waren eine Sünde, ein Genuss, der für eine Birkenstockträgerin etwas ganz Besonderes war. Hinweg. Irreparabel…

4. Meine aus Ghana eigenhändig importierten Holzfigürchen.

Diese herben Verluste und die Bedrohung weiterer Güter dämpften den Spaß, das geben wir zu. Denn wer kann sich schon der Liebe hingeben, wenn man weiß, dass währenddessen der Feind mucksmäuschenstill wie eine Termite durch ständiges Nagen das Haus zum Einsturz bringt?

Glücklicherweise, so fanden wir erst, dauerte diese Phase nicht allzu lange (nicht zuletzt auch, weil wir uns als Dompteure engagierten…).
Er hörte auf, Kleider, Schuhe und afrikanische Kunst zu zerkauen, aber nur um diese Tätigkeit durch etwas anderes zu ersetzen. Um unsere Nerven zu schonen und eine Art Flitterwochen gegen ihn durchzusetzen, fingen wir wieder an, viel zu verreisen. Da war er wieder er selbst. Sein fahrendes Rudel war intakt. Doch leider arbeiten wir nicht als Handelsvertreter, und so war die nächste Stufe der Auseinandersetzungen vorprogrammiert.  (…)

Auszug aus Christine Kaufmann – Liebestöter auf 4 Pfoten

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