(…) Viele Frauen haben wie ich neben der bezahlten Arbeit noch den Haushalt geführt … In Wien war ich am Theater in Josefstadt engagiert und konnte nebenbei tollkühne hausfrauliche Kunststücke vollbringen. Meine Wohnung war direkt neben dem Theater und so gab ich gelegentlich Einladungen nach der Vorstellung.
Das ermöglichte nur eine gekonnte Zeitverwaltung. Ich lud sechs oder acht Leute ein und bereitete das Essen so vor, dass ich währende der Pause in Kostüm und Maske, mit Krinoline und Hut nur noch den Ofen auf kleine Hitze stellen musste. Den letzen Akt spielen, nach dem Applaus wieder direkt in die Wohnung. Schon direkt im Theater das schöne, kleine Schwarze angezogen und dann die verblüfften Gäste in der Wohnung mit einem viergängigen Menü überrascht.
Man kann sich vorstellen, wie viel Freude einem dann das Kochen und Tischdecken macht.
Timing ist alles, doch weder „gleich“ noch „schnell“ sind dafür gute Partner. Wenn die Zeit knapp ist, spielt das „Bedächtigsein“ eine große Rolle.
Mit den Enkeln habe ich gelernt, dass Mahlzeiten nur dann festlich zu gestalten sind, wenn man die Kinder einbindet.
Da verbindet sich das Planen mit dem Widmen. Seltsamer Weise spüren kleine Kinder den Unterschied und so kann man diese Erfahrung teilen und weiter geben.
Jemandem Zeit widmen ist das schönste Geschenk!
Kreative Prozesse entstehen nicht nebenbei. Sie haben nichts mit Geld zu tun. Sie sind im Alltag möglich. Die Verwaltung der Zeit ist nützlich im besten Sinne. Aber eine Pflicht annehmen, die man nicht will, das ist wie ein Stein im Schuh und macht die schönen Pflichten kaputt.
Selbst eine lästige Pflicht erhält eine gewisse Pracht, wenn sie jemandem gewidmet wird. Das ist viel häufiger möglich als man meint. Kinder hüten ist fast immer eine angenehme Pflicht, doch die anderen hat man scheinbar viel öfter: Bad säubern, Wäsche bügeln, Reinigung abholen. Die tausend Kleinigkeiten sind unser Leben, unsere Augenblicke.
Es ist wichtig sich nicht drängeln zu lassen.
Plötzlich hat man keine Zeit mehr für sich. Alle Tätigkeiten verlieren ihre Kontur. Es vergehen die Augenblicke, die Momente, die Zeit tropft in eine Schale, in der ein Loch ist. Plötzlich ist Ostern, Weihnachten, Menopause und – „Überraschung“ – das Lebensende.
Das ist keine Zeitverwaltung! (…)
Wieder jung
(…) Sobald man sein Bewusstsein ändert und die Zeit verwaltet, stellt sich etwas Erfreuliches ein. Ich empfinde jetzt, als hätte ich schon viele Jahre gelebt und werde dabei durch das intensive Erleben der Alltäglichkeit wieder ganz jung.
Wie Bob Dylan schrieb:
“I was so much older then,
I was so much younger now.”
Diese innerliche Jugendlichkeit kommt nicht von ungefähr. Sie hat eine mysteriöse Logik.
Wenn Wissen richtig verwendet wird, macht es frei. Da Wissen eigentlich nicht geschult wird, hat man zwar Informationen gesammelt, weiß aber nicht, wie man sie zusammensetzt.
Im Laufe der Jahre habe ich gemerkt, wie schädlich Überinformation für unser Selbstwertgefühl ist. Es nützt nichts, sich am Klatsch der anderen zu beteiligen. Mag sein, dass Paris Hilton nicht Einstein ist, aber das macht uns weder klüger, noch freier, noch glücklicher.
Es gibt kein Glück, dass aus Schadenfreude entsteht!
Da ich viel in Ländern und Orten war, wo es die üblichen Medien nicht gab oder sie für mich nicht zu lesen waren, habe ich etwas sehr stark erfahren. Die Zeit vergeht anders, wenn sich die Fokussierung ändert. So war ich wenige Wochen in Ghana, aber empfand, mindestens ein Jahr dort verbracht zu haben. Das liegt am anderen Blick, am kindlichen, offenen Blick.
Dieser offene Blick ergibt sich mit der Abschaffung der Gewohnheiten.
Man darf Gewohnheiten aber nicht mit Ritualen verwechseln.
Im Unterschied liegt, was das Glück betrifft: „Der Hase im Pfeffer.“ (…)


Liebe Frau Kaufmann,
ich lese Ihr Buch “Verführung zur Lebenslust” nun schon zum zweiten Mal. Einige Ihrer Ratschläge und Lebensweisheiten lösen bei mir eine gewisse “Langsamkeit” aus, die mir wohl tut. Denn immer wenn ich das Gefühl habe, dass Alltag, Verpflichtungen und unerledigte Ding mich “überholen”, muss ich mich zurücknehmen und neue Prioritäten setzen. Ihr Buch hilft mir ein bisschen dabei…..
Ich habe Ihre neue (ich glaube so neu ist sie gar nicht?!) Internetseite erst vor zwei Wochen entdeckt. Ich finde den Aufbau, inklusive Kommentare und Videos sehr schön und interessant. Wert, öfter mal vorbeizuschauen…..
Liebe Grüße
Antje Fey
Liebe Antje,
toll, mein Team & ich freuen uns auf Sie!
Herzliche Grüße