Identität – Die Notwendigkeit eines neuen Selbstbildnisses
(…) Als ältere Frau, die als junges Mädchen in den 50-ern das Privileg hatte, mit vielen Göttinnen zu arbeiten – oder sie zumindest hautnah zu erleben – ist die damalige Wirklichkeit abrufbar.
Ich erinnere mich genau an die Erotik Ava Gardners, Michele Morgans, Anouk Aimees, Silvana Manganos oder Winnie Markus‘.
Als jüngeres Mädchen war für mich die ältere Frau eine gut riechende Göttin, die es nicht nötig hatte, sich mit einer pausbackigen Jugendlichen zu messen. Sie war so gekleidet, dass man höchstens wenn sie sich setzte etwas Spitzenbesetztes unter dem Kleid hervor blitzen sah. Sie sprachen mit schönen, kultivierten Stimmen. Klatsch war verpönt, Bildung wichtig. Vor allem ihre Haltung zu sich, das Mysterium der Erfahrung und die daraus entstehende Spannung erschien mir elementar.
Spannung, nicht Anspannung.
Ganz im Gegensatz zu den „Sex and the City“ – Frauen. Die Fernsehserie soll vom Modeunternehmen “Victoria’s Secret“ konzipiert worden sein, um die Prüderie Amerikas zu minimieren und damit die Schamgrenze beim Einkauf in einem Unterwäschegeschäft zu senken.
Diese Sendungen sind eine Art Sex-Stimulations-Shopping-Neuroseauslöser gewesen. Kohorten von Frauen haben ihre Kreditkarten erst zum blühen und dann zum Explodieren gebracht.
Im Gegensatz zu dieser Form der Weiblichkeit ist die Erotik der Frauen aus den 50-ern in mir wie auf einer Festplatte gespeichert. Es gab einmal andere Frauen! Daher weiß ich auch um das Problem der jetzigen Zeit.
Traditionell entwickelte die ältere Frau ihre Attraktivität aus der Erfahrung, die sie ausstrahlte.
Die Geheimnisse Ihres Wissen verliehen ihr eine Art Patina. Sie war diejenige, die den jungen Männern die Kultur der Liebe beibrachte. „ Education sentimental“ – das Erobern, Verführen, Einweisen, der Schmerz des Verlassenwerdens und die Stärke, die daraus entsteht. Die Erfahrung, dass Liebe zwar zu spüren ist, aber nie wirklich greifbar wird. Heimliche Blicke, unausgesprochene Verabredungen, zerwühlte Bettlaken, der Duft der Verführerin an den Händen.
Das Einzigartige der Begegnung wird schwer über ein Video zu lernen sein. Denn die lässt sich nicht einfach vor – oder zurückspulen.
Die erfahrene, ältere Frau, die sich nicht als pseudojung verkauft, ist fast ausgestorben. Sie war das Gegengewicht zu dem schönen, jungen, errötenden Mädchen, das mit Schamgefühl und Verliebtheit für den Mann schwärmte, dem sie sich nach langem Hin und Her schenkte. Möglichst erst nach der Hochzeit.
Aha! Sie sehen worauf ich hinaus will… Da es diese jungen Mädchen fast nicht mehr gibt, ist auch die ältere erotische Frau verloren gegangen. Zumindest scheint es so.
Begibt man sich auf das Terrain des erotischen Erlebens, so gibt es dort ein großes, unberührtes Areal, indem es sich neu zu positionieren gilt.
Beziehungsweise kann eine Archäologin der erotischen Lebensart wichtige und schöne Möglichkeiten wieder aufdecken, indem sie sich dem „scheinjungen“ Äußerlichen zu entziehen versucht.
Ich glaube, eine der Qualitäten der älteren Frau ist es, zuhören zu können. Die geschenkte Aufmerksamkeit ist auf jeden Fall auf gewisse Weise verführerisch. Die Frau zu sein, die souverän und gut gelaunt ist, kann ein ziemlich hoch gestecktes Ziel sein.
Ich habe viele Gespräche geführt und eigene Erfahrungen zu diesem Thema gesammelt. Um richtig zuzuhören, muss man entspannt sein. Beim Zuhören öffnen sich neue Welten. Immer wieder entdeckte ich begeistert, welch wunderbare Bilder durch Worte entstehen, wenn man dem Gegenüber die Möglichkeit gibt, zu erzählen.
Das Zuhören ist für mich ein Merkmal der älteren Schönheit. Aber lassen Sie sich nicht überfordern, denn das macht krank, alt und hässlich.
Das Gespräch der jüngeren und älteren Frauen über die Wandlung des Zeitgeistes lässt neue Gedanken entstehen. Zu behaupten, früher sei alles besser gewesen, ist nicht produktiv. Erotischer war’s und das macht den Unterschied, der sich vermitteln lässt. (…)

Sehr geehrte Frau Kaufmann, ihr Blog hat mir aus der Seele gesprochen. Auch ich kann mich noch sehr gut an die älteren Frauen der fünfziger Jahre erinnern, die trotz der harten Kriegs- und Nachkriegsjahre nichts von ihrer Persönlichkeit eingebüßt haben und ihr Leben selbstbewußt meisterten. Es waren Frauen ,denen man Achtung und Respekt entgegenbrachte und in deren Nähe man sich wohlfühlte.Sie waren charmant, klug und warmherzig, kleideten sich stilsicher und waren attraktive Erscheinungen, die sich ihrer Wirkung auf die Männerwelt sehr wohl bewußt waren.( Auch wenn sie keine Göttinnen waren, die ohnehin nur in der Mythologie anzutreffen sind.) Nie wären diese Frauen auf die Idee gekommen sich nackt in einschlägigen Männermagazinen ablichten zu lassen, auch welchen Gründen auch immer, ob aus Geldgier, Selbstverliebtheit oder Konkurrenzdenken.Auch der Gedanke sich im fortgeschrittenen Alter halbnackt fotografieren zu lassen und diese Bilder dann auch noch Medien anzubieten wäre für sie geradezu grotesk gewesen. Nun liebe Frau Kaufmann, ich denke daß auch in unserer Zeit noch genügend Frauen sich diese Eigenschaften ihrer Vorgängerinnen bewahrt haben und wir auch in Zunkunft Frauen mit Selbstachtung, Persönlichkeit und Selbst bewußstsein haben werden,die ihren Weg ungeachtet dem heutigen Zeitgeist gehen. In diesem Sinne stimmen wir doch überein! MfG Astrid Stock
Liebe Frau Kaufmann,
ich bewundere Sie sehr für Ihren Stil und Ihr gutes Aussehen.
Ich wünsche Ihnen weiterhin viel Erfolg!
Herzliche Grüße
KS
Liebe Katrin, vielen Dank!
Herzliche Grüße zurück.
Liebe Frau kaufmann!
Sie sprechen mir aus der Seele.
Ein anderer Punkt ist ja auch die sogen. Emanzipation, die leider grosse Auswirkungen auf das Gefühl für die eigene Weiblichkeik hatte und noch hat. Aber das ist ein andere Thema.
İch findes es sehr erquickend İhre Artikel zu lesen.
Dieser Artikel ist für mich heute morgen der Denkansatz für den Tag. Es ist 7.00 Uhr und ich werde gleich zum Schwimmen radeln und nochmal Ihre Gedanken dazu Revue passieren lassen.
Sie machen viel Mut in ihrer Art zu denken und zu leben.
Danke.
Kerstin Kayser