Einige der Außenaufnahmen für den Film „Der veruntreute Himmel“ wurden in der Stadt Rom und auf dem Vatikan-Areal gedreht. Dort fand eine Beerdigung statt.
In diesem Film spielte ich ein Kind. Durch eine absichtliche Einengung meines Körpers (Busen in zu kleinen Körbchen, Füße in zu kleinen Schuhen) war mir das „Backfischstadium“ äußerlich kaum anzumerken. Mir wurde durch die Einengung vor allem schlecht. Das Bild, dass ich von mir selbst als Zwölfjährige hatte, setzte sich so zusammen: eine Ansammlung von Dampfnudeln verschiedenen Umfangs, winzige, verquollene Augen und ganz oben schnell sprießende Zuckerwatte statt Haare.
Mein Kinderkörper hatte mir lange Zeit so viel Schutz gewährt, nach der kurzen Phase als Kinderidol, dass ich mich jetzt von seinem unkontrollierten Wachstum fast verraten fühlte.
Meine Mutter, die wie eine Löwin darum kämpfte, das „Rosen-Resli“ nicht ins Normale versickern zu lassen, sah hier in Rom (praktisch die Vorstufe zu Hollywood) die Möglichkeit, für die Fortsetzung meiner Karriere zu sorgen. Diese Etappe war nun nicht erschreckend, sondern spannend, interessant und aufregend.
Bevor ich mich zu den angenehmen Aspekten der Arbeit vortasten konnte, musste ich noch eine banale, aber nicht unerhebliche Hürde nehmen: mein Selbstwertgefühl, was mein Äußeres betraf. Meine Mutter hatte mich immer wieder auf meine Mängel aufmerksam gemacht. Viele, viele Jahre später fiel mir ein, sie zu fragen, warum sie das getan hatte.
„Ich wollte nicht, dass du eitel wirst.“
Einleuchtend.
Nur gibt es zwischen Eitelkeit und dem Gefühl, ein weiblicher Quasimodo zu sein, doch noch Unterschiede. Im Spiegel sah ich nur Mängel. Das damals geltende Schönheitsideal war Brigitte Bardot. Blond, schmalhüftig, langbeinig, braunäugig, mit breiten aufgeworfenen Lippen. Das Gegenteil von mir.
Es ist sicher ein wesentlicher Bestandteil des „Frauwerdens“, sein Äußeres zu bestimmen und sich entsprechend zu platzieren. Bei der Filmarbeit wird nach Makellosigkeit gestrebt, und ich entzog mich dem Gefühl, fehlerhafte Ware zu sein, indem ich mich innerlich immer weniger an dem Leben, das ich bei der Arbeit zu führen hatte, beteiligte.
Ich wäre so gerne unsichtbar gewesen.
Wir waren in einer kleinen Pension in der Nähe von Via Veneto untergebracht, meine Mutter war gerade auf Agentursuche unterwegs, und ich entschloss mich zu einem Vorstoß allein in die rumorende Stadt.
Für ein zwölfjähriges Mädchen ist es wohl immer ein Wagnis, sich in einer fremden Stadt alleine auf die Straße zu begeben. Der Unterschied zu München war schon akustisch überwältigend.
Ich trat in eine vollkommen andere Farbenwelt – von Rosa, Ocker und Rostfarben; Geräusche, brüllend und betäubend, begleiteten mich durch die flirrende Luft.
Die Hits des Sommers, „Ciao, ciao bambina“ und „Volare“, tönten aus jeder Werkstatt und vermischten sich mit rhythmischen Handwerksgeräuschen, die Menschen riefen einander laut zu. Wie ein orientalischer Basar! Schon um zehn Uhr morgens schien die Sonne so intensiv, wie ich es in München nie erlebt hatte. Die großen Kastanienbäume verströmten süßlichen Duft. Mir fiel bald auf, dass sich hier Mädchen, die nur wenig älter waren als ich, mit Mopeds selbstbewusst und zielstrebig (kein bisschen artig) ihren Weg durch den Verkehr bahnten. Während ich, von den Eindrücken überwältigt, zum Zeitungsstand trippelte (zu kleine Schuhe), hörte ich wilde männliche Schreie, die ich trotz meiner Italienischkenntnisse nicht recht deuten konnte. Dann hielt ein kleines Auto an, und ein Italiener rief mir zu: „Ciao, bella!“
Meinte er mich?
Sicher nimmt er mich auf den Arm.
Als meine Mutter zurückkam, erzählte ich ihr, was passiert war. Sie lachte und sagte, ich wär doch auch ganz hübsch.
Wie, doch hübsch? (…)

