Auszug aus Christine Kaufmann “Frauenblicke-Ernstheiteres aus dem Alltag”

(…) Qua vadis? – Wohin gehst du?

Gewiss hat jeder einen Punkt, der seinen Jähzorn auslöst. Der Jähzorn zeigt sich von Land zu Land unterschiedlich. In Amerika, dem Land, wo die kleine Wut am seltensten ausbricht, gibt es die meisten Amokläufer. Es gehört in Amerika einfach nicht zum guten Ton, die alltägliche Wut zu zeigen. Jedem wird „Have a nice day“ gewünscht. Aber dass Höflichkeiten selten wirklich gute Wünsche beinhalten, ahnte man ja täglich. Wie es ums alltägliche Zusammenleben bestellt ist, merkt man, wenn es um Platz und Zeit geht. Da mache ich auch ständig Bekanntschaft mit meinem Jähzorn, zum Beispiel im Supermarkt. Da gibt es eine ganze Skala von Verhaltensweisen, die mich immer in Versuchung führen, die Quengler zu fragen: „Wo wollen Sie eigentlich hin?“
Der Quengler stellt sich so dicht an einen an, dass es unmöglich ist, die Ware aufs Band zu legen. Dann wird selbstverständlich alles beäugt, als ob es überflüssig sei, diese Dinge einzukaufen. Kaum ist das letzte Stück auf dem Band, liegt schon die Ware des Quenglers drauf, ohne Teilungsstäbchen natürlich. Am ärgsten ist es beim Einpacken. Da tut der Quengler so, als hätte man alles nur gekauft um seine kostbare Zeit zu stehlen. Der gleiche Typ hupt übrigens auch im Stau. Da braucht man gar nicht zu fragen: „Wo zum Teufel wollen Sie hin?“

Positives Denken

Das positive Denken wird oft mit dem Zudecken aller Aspekte der Realität verwechselt. Diese Art blinder Optimismus ist höchstens ein Wegbereiter für Magengeschwüre:
-Mein Mann sieht keine anderen Frauen!
-Das Leben ist herrlich!
-Der Wald stirbt nicht!
Der irreale Optimismus ist der Feind des positiven Denkens. Nur wer Katastrophen als solche erkennt und annimmt, kann eine positive Änderung erleben. Jetzt sind aber Menschen in schlimmen Situationen Meister auf dem Gebiet des Nichtannhemens, des Verdrängens.
Es gibt Ereignisse, die sich als dramatischer Tiefpunkt, als Schicksalsschlag darstellen: Todesfälle, Scheidungen, Unfall, Verluste materieller Art etc….
Jetzt in Selbstmitleid zu versinken wäre inaktiv und damit selbstzerstörerisch; langweilig für andere und tödlich für einen selbst.
Eine lähmende und scheinbar erstarrte, verhärtete Situation zu verändern ist keine äußerliche Korrektur, sondern eine schmerzliche Prozedur, eine Forderung an sich selbst.
Die Voraussetzung des Positiven ist nämlich das Annehmen des Negativen.
Man kann die Wahrheit verändern, nicht durch Lügen, sondern durch das Akzeptieren von Tatsachen als Voraussetzung für einen realistischen Optimismus.

Männerfreundschaften

Ich liebe Männer, weil Sie so putzig sind. Das heißt, jeder Mann ist liebenswert, amüsant und interessant, solange man nicht abhängig von ihm ist.
Männer sind jenseits der Hormon-Barriere die allerbesten Freunde. Früher wurde doch immer behauptet eine Freundschaft zwischen Mann und Frau gäbe es nicht.
Für uns ist es heute auf jeden Fall lohnend, sich an das Männerherz-Eckchen zu machen, das angeblich nur für „Kerle“ reserviert ist. Man lernt so viel, auch über sich selbst. Ich würde soweit gehen, zu behaupten, dass man als Frau erst dann selbstständig ist, wenn man mindestens drei gute männliche Freunde. Die helfen dann auch den nichtplatonischen Freund zu verstehen. All die Streiche zu verstehen, welche die Hormon-Wallungen verursachen. Mit etwas Distanz sind die sehr, sehr komisch. Auch wenn sie nicht so komisch gemeint sind.
Leider tun sich Männer in den besten Jahren etwas schwer mit der Freundschaft. Die jüngeren scheinbar nicht. Für das „Oldfashion“-Konzept der Frau-Mann-Beziehung ist das freundschaftliche Paar eine Bedrohung.
Als Freundin kann man sich bei dem Freund hemmungslos ausweinen, trösten lassen und anlehnen, denn der Freund liebt einen auch mit zerronnener Schminke. Er liebt den Menschen, nicht das weibliche Objekt. (…)

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