Gefühle
Ist es wahr, sind wir Frauen gefühlsbetonter? Sollt‘ ich es wissen, da ich eine bin? Lieber ziehe ich eine nüchterne Statistik heran, die besagt, dass geweint wird bei:
- dem Klang altmodischer Orgelmusik, speziell in tiefer Tonlage
- beim dem Gedanken an den erst kürzlich verstorbenen Vater
- bei gewissen Filmstellen
- bei der Erinnerung an die weinende Mutter
- als der Hund eingeschläfert werden musste
- bei dem Totalschaden am Auto
- bei einem verletzenden Streit mit einem geliebten Menschen
- bei einem Fernsehbericht über Kriege und (ver)hungernde Kinder
- bei Zwiebeln.
Typisch weiblich? Mitnichten! Diese Auswahl an Antworten ergab eine Umfrage unter erwachsenen Männern. Sie bestätigt eigentlich, dass Gefühle geschlechtslos sind.
Und lebenswichtig. Denn ohne Liebe gäbe es keine Kinder. Ohne Wut wäre uns alles völlig gleichgültig. Ohne Angst würden wir vor fahrende Autos laufen. Männer genauso wie Frauen.
Nur Anstandsregeln sind nicht geschlechtslos. Ist das nicht zu komisch? Unter allen Differenzen zwischen Männern und Frauen lauert womöglich gar die Stimmigkeit der Gefühle …
Der Neid
Würde man eine Entrümpelungsaktion für das Innenleben angehen, so wäre das dringlichste Problem die Beseitigung des Neides. Als „einzige freudlose Sünde“ hält er sich nicht nur erstaunlich lange, sondern hat sich vom Ursprung „Futterneid“ in ein Gebilde mit seltsamen Wucherungen entwickelt.
Nancy Friday schreibt in ihrem Buch „Eifersucht“: „Diese wäre nur eine Form des Neides“. Das glaube ich nicht. Eifersucht sticht, schnürt, entflammt und ist die Kehrseite der Liebe. Neid eine Facette der Dummheit. Das einzige, womit der Neider großzügig umgeht, ist Zeit- und Energieverschwendung.
Natürlich hat Neid nicht ohne Grund Hochkonjunktur. Überall wird der arglose Bürger an das erinnert, was er nicht hat. Nie klebt ein Plakat an der Wand, auf dem steht: „Du hast alles was du brauchst, kaufe nichts“ oder „Deine Haare sind in Ordnung“ oder „Auch dieser Lippenstift zerrinnt beim Essen“. In der Werbung wird alles mit der Idee des „Gewinners“ angepriesen. Ha, ha, bei der Größe des Ozonloches ist die Vorstellung vom Gewinner grotesk (bei der Zerstörung oder Erhaltung der Erde ist jeder gleichwertig). Neid war nie überflüssiger als jetzt, und die beliebte Schadenfreude, „er schreibt schöne Gedichte, aber ich habe gehört, seine Socken riechen“, könnte auch verschwinden.
Der Neid hat nur den Vorteil, man kann ihn in sich selber beseitigen. Die Wirklichkeit des Beneideten setzt sich mehr oder weniger aus den gleichen Dingen zusammen wie die aller anderer. Nur manche können mit der Wirklichkeit besser umgehen. Das sollte nicht beneidenswert sondern stimulierend sein.
Es geht nämlich in der Umkehrung auch „Seine Socken riechen, aber er schreibt wunderschöne Gedichte…“
Gute Laune
Meine Literaturagentin liebt mich. Nicht wegen meiner Kochkunst, nicht weil ich immer weiß, wo es Prozente gibt, sondern weil ich, so sagt sie, der einzige Mensch sei, den sie kennt, der „immer gut gelaunt ist“. Ich weiß nicht welche Gedanken so ein Satz bei anderen auslöst, aber mich befielen sofort ärgste Zweifel. „Oje, wahrscheinlich bin ich einfach viel zu dumm, um depressiv zu sein!“ Nach einer geistigen Vergleichsliste konnte ich diese Möglichkeit doch fast ausschließen, denn man begegnet doch täglich vielen Leuten, die sehr schlecht gelaunt sind, ohne deshalb besonders gescheit zu wirken.
Es liegt wohl an meiner Technik, die ich zur allgemein bekannten Begegnung mit dem „Morgengrauen“ entwickelt habe. Denn, wer kennt sie nicht, die Tage, die so beginnen: nicht gut geschlafen, unverarbeitete Nachrichtenbrocken. Das Telefon klingelt. Der sehnsüchtig erwartete Anruf aus Übersee! Das Telefon ist weit, weit weg. Der Gang verlängert sich scheinbar magisch. Kaum am Telefon angelangt, wird es still.
Die neue Kaffeekanne hat einen Griff, der Hitze leitet, der angesengte Finger weckt endgültig auf. Im Badezimmerspiegel zeigt sich ein vom Kissen zerknittertes Gesicht. Was tun?
Pfarrer Kneipp wusste, dass man durch die Anwendung von Wasser viel retten kann. Das Becken voll mit Wasser und das Gesicht mit einer unparfümierten Seife einseifen, dann spülen. Zwanzig Minuten zur Lieblingsmusik tanzen. Egal wie, nur Spaß muss es machen. Der Körper, das wertvollste Gut, ist angeregt. Für bessere Laune sorgt der dankbare Kreislauf. Henry Miller hat mir einmal gesagt, man soll nicht die ganze Welt verbessern, sondern die eigene, das könnte der anderen nicht schaden. In diesem Sinne ist die eigene gute Laune ein Mosaiksteinchen im Weltgeschehen, und gelegentlich wird man dafür sogar geliebt.
