Auszug aus Christine Kaufmann “Beauty Guide”

Gymnastik für die Gefühle

(…) Für mich ist Tanzen sehr viel mehr als das Bemühen um einen wohlgeformten, fitten Körper. Tanzen hat mit Lebensfreude, mit Lust, dem Ausdruck von Gefühlen und einer Harmonisierung von innerem und äußerem Gleichgewicht zu tun.

Ich habe beobachtet, dass viele Menschen ihren Körper nur einseitig belasten. Sie verlieren damit im Lauf der Zeit ihr körperliches Gleichgewicht, alles verlagert sich auf eine Seite. Dieses schwächt den ganzen Körper und auch den Geist. Wer gerade und ausgeglichen durchs Leben gehen will, muss seinen Körper ins Lot bringen. Diese Ausgeglichenheit ist auf keinen Fall durch Stress an Maschinen und gedankenloses Gehüpfe zu erreichen. Das Übungsprogramm, das ich im Laufe der Jahre entsprechend meinem Bedürfnis nach Ausgeglichenheit und Lebensfreude zusammengestellt habe, ist das Ergebnis einer langen Entwicklung und hat eine kosmopolitische Vorgeschichte.

Nach vielen Versuchen mit Aerobic und anderen rhythmischen Gymnastikarten, die ich allesamt als straff und steif organisiert, schweißtreibend und lustfeindlich empfand, stieß ich bereits vor vielen Jahren schließlich auf den Afrotanz. Dieser ist im wahrsten Sinne des Wortes Gefühlsbewegung, und nichts kommt meiner Ansicht nach dem Ursprung von Freude und Bewegung vergleichbar nahe. Denn der Tanz ist eine ideale lustvolle Einstimmung von Körper und Geist auf den Alltag. Es gibt Schwung, Energie und eine positive Stimmung, was ich zum Beispiel bei Aerobic vermisse.

Meine jahrelangen Erfahrungen aus Afrotanzklassen sind schließlich in mein ganz persönliches Gymnastikprogramm eingeflossen. Der Afrotanz ist gewissermaßen seine Basis, im Laufe der Zeit habe ich für mich Übungen entwickelt, die etwas sanfter sind, europäischer, wenn man so will, doch auch mit einem indischen Einschlag. Nicht weil ich indisch tanzen wollte, sondern weil mir aufgefallen war, dass die indischen Tempeltänze sehr viel mit Körperspannung und dem Gefühl »bis in die Fingerspitzen« zu tun haben. Aus dieser Mischung hat sich mit den Jahren also das herausgebildet, was ich als Emotion Dance bezeichne. Dahinter steht auch die Idee, dass man allein an der Art, wie sich jemand hinstellt, und an dessen Art zu atmen erkennen kann, wie sich derjenige fühlt. Wer sich nicht gut fühlt, atmet kurz und lässt den Atem nicht richtig einströmen, dadurch wird der Sauerstoff nicht richtig verwendet. Dabei ist der Atem bzw. der in der Luft enthaltene Sauerstoff unsere wichtigste Nahrung. Das Ziel meiner Übungen ist es, durch eine Folge von Atem-und Lockerungsbewegungen ein Gefühl des Gleichgewichtes und auch der Lebensfreude zu erreichen.

Zunächst wird wie gewohnt der Tanzbereich vorbereitet. Zur Erinnerung: Lüften Sie den Raum gründlich. Beduften Sie ihn, wenn Sie das mögen. Sorgen Sie für schönes Licht und eine mit Liebe gezüchtete, großblättrige Zimmerpflanze. Gerade im Winter ist die richtige Beleuchtung wichtig, denn sie kann zaubern. Stellen Sie eine Lampe hinter die Pflanze – die Zeichnungen, die Schatten an den Wänden, ergeben Ihren eigenen Urwald. Auch die Farbe ist von Bedeutung. Hängen Sie eventuell ein Tuch oder eine Fotografie in einem bestimmten, passenden Farbton auf. Ihre Kleidung sollte luftig sein und auf jeden Fall aus Baumwolle. Ein Catsuit ist nur aus atmungsaktivem Material akzeptabel, sonst wird das ausgeschwitzte Gift wieder zurückgeführt. Was die Musik angeht, kann ich nur raten, sich auf sein eigenes Empfinden zu besinnen. Es gibt Tage, an denen man belebende Musik braucht, und an anderen Tagen ist klassische Musik angebracht. (…)

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