Auszug aus Christine Kaufmann – “Wellness Care”

1,h=343_bildVom Alltag eines „Stars“

Es gibt viele harte Jobs auf dieser Welt, aber ich kenne keinen Beruf, der auf diese seltsame Art und Weise so stressig ist wie der des “Stars“. Ob Fernsehen, Theater oder Film, es gibt für jemanden, dessen Gesicht bekannt ist, sehr viele Schwierigkeiten, die zwar einzeln betrachtet lächerlich winzig sind, die aber durch ihre ständige Präsenz eine ganz besondere Art von Kraft kosten, die ein Mensch im normalen Leben nicht braucht.

Für jeden ist das Leben voll mit alltäglichen Anforderungen: die Arbeit außer Haus, der Haushalt, Gesundheit und Krankheit, Kinder, Liebe, die Vergänglichkeiten im allgemeinen und der Tod im Besonderen. Zu all diesen Dingen, die jeder kennt, kommen bei einer bekannten Persönlichkeit oder bei einem “Star” das öffentliche Auge, die Medien, in denen man vorgeführt und manchmal auch ausgenutzt wird. Ganz normale Dinge, die man im Leben ebenso erlebt oder die man als lebendiges Wesen so tut, werden wie unter einem Vergrößerungsglas betrachtet und kommentiert. Diese zum Teil abenteuerlichen Lügen und Ungerechtigkeiten stellen wie auch die Liebe und die Zuneigung des Publikums besondere Anforderungen. Vor allem letztere sind insofern ein besonderes Erlebnis, da es nicht immer leicht ist, spontan darauf zu reagieren.

Ich möchte an dieser Stelle etwas bemerken, das mir seit längerem unter die Haut geht. In den letzten Jahren passiert mir immer häufiger etwas, das ich früher weder bei mir noch bei anderen prominenten Persönlichkeiten gesehen habe. Es kommen mir Menschen, meist Frauen, entgegen, sprechen mich an: “Ach, Sie sind doch die Christine Kaufmann” und umarmen mich kräftig. Mir sammelt sich dann immer Wasser in den Augen (was man hinter meiner Brille zum Glück nicht sieht). An sich bin ich nicht jemand, der schnell weint, nur bekomme ich in solchen Augenblicken den Ausgleich für viele schäbige Seiten des “Promi-Daseins“. Es bedeutet nämlich, dass man etwas Menschliches auslöst. Dass man es geschafft hat, über die Medienhürde zu springen, hinein in das Herz von jemand anderem – und zwar als Mensch.

Die andere, unangenehme Seite ist nicht so schlimm, wie man denkt. Es ist nur etwas gewöhnungsbedürftig, dass Krankheit oder Hochzeitsmeldungen, mehr oder weniger aufwendig, in den Zeitungen beschrieben werden. Das wirklich Schwierige am “Star-Sein” sind eine Vereinsamung und die Gefahr, dass man anfängt, sich selbst so wahrzunehmen, wie man in den Medien beschrieben wird. Das betrifft natürlich auch das Aussehen, das Image, das Bild, das man von sich selbst schafft. Die Pflege der eigenen Schönheit, egal wie gut sie ist, sollte nie etwas mit diesem Bild zu tun haben. Das Bild ist kein realer Maßstab (deswegen wurde es ja auch erfunden). Jedes Bild, ob Höhlenmalerei oder Passbild, hält den Fluss des Lebens auf, fängt ihn nur für einen kurzen Moment ein – aber auch das gelingt ihm nicht wirklich. Leider findet die Orientierung der schönheitssuchenden Menschen über Bilder statt – in der Werbung oder im Film -, und das ist ganz einfach falsch.

Ich erlaube mir, mich bei diesem Thema als Expertin zu bezeichnen. Auch wenn ich kein Soziologie-Studium hinter mir habe. Vierzig Jahre im Showgeschäft – und dies mit ein paar blauen und doch kritischen Augen gesehen – lassen einen zum unfreiwilligen Experten werden. Einer meiner besten Freunde, der Maler Karl Alfred, sagt, dass ich (und natürlich jede andere Schauspielerin) in diesem Beruf drei Aufgaben zu bewältigen habe: Ware, Verkäuferin und Kaufhausdetektivin in einem zu sein.
Für mich hat die Pflege meiner Ware – oder wenn man so will: meines Besitzes – in erster Linie das Ziel, dass sich mein Körper in einem guten Zustand befindet, weil sich über die intakte Einheit Gesundheit-Wohlfühlen-Schönheit mein Lebensunterhalt verdienen lässt. Diese Einheit von Schönheit und Gesundheit ernährt aber mehr Menschen als nur mich: Kinder, Kindeskinder, Vermieter, Lebensmittelhändler, Bioläden, alle profitieren mit von meinem guten Zustand. Doch daneben ist viel wichtiger, dass ich nur dann, wenn ich mich wohl fühle, wenn ich mich selbst als schön und gesund empfinde, auch auf die Menschen um mich herum dieses Wellness-Gefühl übertragen kann, dass ich etwas von meinen positiven Gefühlen abgeben kann.

Das gilt für alle anderen Menschen genauso. Man kann nur dann belebend auf seine Umwelt wirken, wenn man sich selbst hegt und pflegt. Nur sind bei dieser Pflege – im Gegensatz zum sich immer weiter verbreitenden äußerlichen Schönheitskult – die “Innereien” das Ziel. Man könnte sagen, der kluge Mensch brüstet sich mit einer intakten und gut funktionierenden Leber, nicht mit den äußerlichen Folgen – wie strahlenden Augen.
“Ach, meine Liebste, Ihre Leber scheint sich ja in einem großartigen Zustand zu befinden”, könnte man beim Tee einer Bekannten als besonders wohlmeinendes Kompliment zuflüstern. (…)

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Eine Antwort auf Auszug aus Christine Kaufmann – “Wellness Care”

  1. Geraldine sagt:

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